Es hat eine Weile gedauert, bis es mit dem Treffen der drei Poinger Bürgermeister – Rainer Lauterbach (1982–2000), Albert Hingerl (2000–2020) und Thomas Stark (seit 2020) – im Rathaus geklappt hat. Bürgermeister sind auch im Ruhestand sehr beschäftigt, aktive sowieso! Ziel war, Erinnerungen aus zusammen 220 Jahren Lebenszeit und über 40 Jahren Amtszeit wachzurufen und festzuhalten.
Rainer Lauterbach, Jahrgang 1935, hat nicht nur die längste, sondern wohl auch die bunteste Vita. Als 11-Jähriger mit seiner Mutter und zwei Geschwistern aus dem Egerland vertrieben, brauchte es eine Reihe von Stationen und einen Berufswechsel vom Groß- und Einzelhandelskaufmann zum Polizeidienst, bis er schließlich in Poing zunächst einen Arbeitsplatz (in der Polizeistation, deren Leiter er später wurde) und dann 1974 auch seine Heimat fand. Die Gemeinde hatte damals weniger als 6.000 Einwohner und sein kommunalpolitisches Engagement (CSU) führte rasch zu „höheren Weihen“. Größte Herausforderung ab Beginn seiner Amtszeit war die Entwicklung von „Poing Nord“, heute der bevölkerungsreichere Ortsteil. Die schönste Aufgabe war die unzähligen Hochzeiten, die er förmlich besiegelte und bei denen er so viel über das „wirkliche Leben“ seiner Gemeindemitglieder erfuhr. Entspannung brachte ihm das Fischen am „Rainer Lauterbach Weiher“ und liebster Fleck in Poing ist ganz klar das eigene Heim am Ortsrand nach Anzing mit Blick auf den Wildpark. Poing in 20 Jahren? Auch nach Erschließung der letzten Baugebiete am Bergfeld rechnet er mit weiterem Zuzug. Eine Stadt muss Poing deshalb nicht werden und auch ein eigenes Kfz-Kennzeichen, wie Vaterstetten es gerade anstrebt, braucht’s nicht.
Auch der Nachfolger Albert Hingerl, Jahrgang 1954, absolvierte vor Amtsantritt eine Polizeikarriere, zuletzt – wie sein Vorgänger – als 1. Hauptkommissar im Innenministerium. Geboren in Velden an der Vils und aufgewachsen in Winkl, verschlug es ihn zunächst nach München, bevor er 1975 durch einen glücklichen Zufall auf Poing aufmerksam wurde. Kommunalpolitisch (SPD) wie kulturell stark interessiert und als aktiver Fußballer war er schnell im dortigen Vereinsleben verwurzelt. So sehr, dass ihn seine Frau und die zwei Töchter besonders in der Vorweihnachtszeit kaum noch zu Gesicht bekamen.
Das Poinger Forum bot für manchen späteren Star der Kabarettszene ein erstes Sprungbrett. Besonders erfreuliche Erlebnisse der Amtszeit waren etwa der Bau der Realschule oder die Anlage des Badesees sowie die Förderung des sozialen Wohnungsbaus. Sehr herausfordernd war die Planung und Inbetriebnahme des Bürgerhauses. Große Freude bereitet ihm – bis heute – das wiederbelebte Volksfest als größter Stammtisch in Poing. Ein gern aufgesuchter Ort ist das Literaturhaus und zum „Auftanken“ steigt er gern mal aufs Motorrad. Damit Poing auch in 20 Jahren noch „Heimat für alle“ sein kann, braucht es aus seiner Sicht unbedingt bezahlbaren Wohnraum.
Für den amtierenden Bürgermeister und Verwaltungsfachwirt Thomas Stark, geboren 1964 in Marktredwitz, bot sich 1990 in Poing eine berufliche Chance als stellvertretender Leiter des Bauamtes, ab 1991 als dessen Leiter. Nach jahrzehntelanger Tätigkeit im Rathaus, zuletzt als Geschäftsleiter, war es kaum möglich „nein“ zu sagen, als ihm die Kandidatur für den Chefposten angeboten wurde. Das Wahlergebnis fiel entsprechend deutlich aus. In seiner Freizeit sieht er gern auf dem Fahrrad in der näheren und weiteren Umgebung nach dem Rechten. Bleibende Erlebnisse waren für ihn etwa die Einweihung der neuen Grundschule oder die Auslobung des 1. Kulturpreises der Gemeinde. Größte Herausforderung der bisherigen Amtszeit? Zweifellos die Corona-Pandemie mit all ihren Folgen. Lieblingsort ist für ihn der Wildpark mit seinen vielfältigen Attraktionen und sein Blick in die Zukunft ist hoffnungsvoll. Für die kinderreiche Gemeinde werden immer mehr attraktive Freizeitangebote für alle Altersgruppen geschaffen, damit auch die jüngeren Neubürger überzeugte Poinger bleiben.
Fotocredit: Pit S. Stöckl